Sonntag 12.07.2009
Gut ausgeschlafen geht's dann aufs Deck, die Seeluft tut gut. Ein ausgiebiges Frühstücksbuffet erwartet uns.
Gegen 11 Uhr legt die Fähre in Klaipeda an.
Auschecken, Kabinenschlüssel abgeben, Reisetaschen aufs Moppet schnallen und wir haben wieder festen Boden unter den Rädern.
Die Litauischen Straßen sind schlecht und es rumpelt ganz gut unter den Rädern. Ist wohl schon ein kleiner Vorgeschmack was uns in Russland erwartet.
Litauen, Lettland, Estland lassen wir hinter uns und erreichen um 19:30 Uhr die russische Grenze. Vorbei an einer kilometerlangen LKW-Schlange können wir den Schlagbaum schon erkennen und stellen uns hinter den wartenden PKWs an. Unser Motorrad wird bestaunt und bewundert, wir kommen mit einem Estländer ins Gespräch. Er spricht gebrochen Deutsch und ist uns beim Ausfüllen der Zollpapiere behilflich. Zwei Diensthunde lümmeln sich auf einer Wiese, ein russischer Autofahrer versucht sich einen Platz weiter vorne zu erkaufen.
Die Zollbeamten unterbinden es jedoch sofort und nach einer gehörigen Ansage stellt er sich ganz hinten in der Schlange wieder an. Von wegen Schmiergelder, hier geht alles seinen geordneten Gang.
Die Zöllnerin kommt mit dem Chinamotorrad nicht klar. So was hat sie noch nicht abgefertigt. Als wir dann ihre Frage nach dem Wohin beantworten ist sie schon leicht überfordert (nach Irbit im Uralgebirge). "Zurück im Flugzeug?" "Nein, Cheljabinsk, Ufa, Samara..." Sie lässt mich nicht ausreden und drückt mir die Papiere in die Hand und schüttelt ungläubig und verständnislos den Kopf "Dawei".
Die Grenzüberquerung von Estland nach Russland hat ca. 2,5 Std. gedauert.
Wir haben's geschafft, wir sind in Russland, also weiter nach St Petersburg. Aber halt, da war noch was: Rubel tauschen, Kfz-Versicherung abschließen. Ja, der nette Estländer hatte etwas von einer Tankstelle direkt hinter der Grenze erzählt. Gesagt getan, auf die nächste Tanke und mal freundlich nachgefragt. "Geld tauschen, Rubel, Kfz -Versicherung." Der Kassierer versteht mich nicht und spricht kein Deutsch oder Englisch. Nach einigem Hin und Her will ich den Kassenraum verlassen, da kommt mir der Estländer in der Tür entgegen. Er spricht mit dem Kassierer auf Russisch über mein Anliegen. Ich soll ein Stück zurück, Richtung Grenze, da ist ein kleines Häuschen, wo ich Geld tauschen und eine Versicherung abschließen kann.
Es ist mittlerweile 22 Uhr und stockdunkel. Der Estländer erklärt sich bereit mich in seinem Auto das Stück mit zurück zu nehmen. Ich hole mir die Tasche mit den Ausweisen und Dokumenten von Andrea, die immer noch im Beiwagen sitzt, steige beim Estländer ins Auto und wir fahren zurück. In einer kleinen Hütte, die mit Lebensmitteln ausgestattet ist, bekomme ich die Versicherung. Geld wechselt mir die Angestellte vom Kiosk an der Grenzstation. Ich komme mir ein bisschen hilflos vor, verstehe kein Wort und kann die russischen Formulare nicht lesen. Es ist alles in Kyrillisch. Das kann ja heiter werden. Ich bedanke mich beim Estländer, ohne ihn hätte ich die Sachen nicht so schnell erledigen können.
Um 23Uhr bin ich zurück auf der Tankstelle und finde eine völlig entnervte, aufgelöste Andrea vor. Jetzt aber ab auf die Piste, mal richtig am Gas gedreht und das erste tiefe Schlagloch mit ca. 90 km/h genommen. Das Navi fliegt an meinem Helm vorbei und zerstört sich beim Aufschlag auf der Fahrbahn von selbst. Super, das hat schon mal geklappt. Kein Navi mehr und das am Anfang von Russland. Nur nicht aufgeben, wir sollten uns jetzt mal eine übernachtungsmöglichkeit suchen. In einem beleuchteten Haus frage ich mit Hilfe unserer Karteikärtchen nach dem nächsten Hotel. "6 km preama" bekomme ich zur Antwort. Hotel gesucht und gefunden. Wir befinden uns in Pskov. Es ist jetzt 0:30 Uhr. Wir sind dem Nachtportier in unserer Aufmachung nicht geheuer, er winkt gleich ab, als er uns sieht. Also keine feste Unterkunft heute Nacht. Wir entschließen uns im Zelt zu übernachten. Von der Hauptstraße biege ich in den nächsten Waldweg ab, unter starkem Mückenbeschuss stellen wir unser Zelt auf, kriechen in die Schlafsäcke und fallen in einen komaähnlichen Schlaf.
Die Uhr zeigt auf 1:30 Uhr.
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